Konzertprogramme
Graham Collier (*1937): Alchemy
… oder wie Jackson Pollock mit Quadrosax klingt
HEINRICH BAUMGARTNER 2.10.07
Alchemisten, die Vorläufer der heutigen Chemiker und Pharmazeuten, haben nicht nur nach Gold gesucht, sie haben sich für die Veredlung aller Stoffe interessiert und vor allem für die Zusammenhänge zwischen Material und Mensch.
Zentrale Themen bei der steten Suche des britischen Jazzmusikers und –komponisten Graham Collier nach Veredlung der Musik sind die Weiterentwicklung der Improvisation und die Auseinandersetzung mit dem Visuellen.
Quadrosax hat im Rahmen seines Programmes „Klee & Kandinski“ eine Suite von Graham Collier aufgeführt und dabei an den Reaktionen des Publikums festgestellt, dass dieses Bemühen des Komponisten dem Publikum neue Formen des Hörens zu eröffnen vermag.
Das Quartett freut sich deshalb ganz besonders darauf, Graham Colliers neueste Komposition uraufführen zu können. Es ist die sechssätzige Suite „memories arrested in space“, die diesen Sommer nach Bildern des amerikanischen Künstlers Jackson Pollock entstanden ist. Pollock (1912-1956) schuf diese Bilder vor sechzig Jahren in der von ihm entwickelten Dripping-Technik, in der die Farbe nicht mit dem Pinsel aufgetragen wird, sondern direkt aus der Farbdose auf die Leinwand tropft, fliesst oder geschüttet wird.
Graham Collier will mit seiner Komposition – nach eigenen Worten – nicht die Bilder von Pollock erklären, sondern einen Zugang zu ihnen aufschliessen, einen Weg zu deren Aussage öffnen. Mit dieser Übersetzungsarbeit steht er ganz in der Tradition der alten Alchemisten. Ob deshalb der letzte Satz der Suite mit „Alchemy – reverberations in and beyond“ überschrieben ist?