«Sound for Seven» auf einen Streich
Das für einmal auf sieben Mitglieder aufgestockte Saxophonquartett Quadrosax brachte im Dorfgaden Altendorf ungewöhnliche Kompositionen in ungewöhnlichem Rahmen an ein ungewöhnliches Publikum
Das Projekt ist - vorerst - einmalig, und könnte doch Zukunft haben. Das erweiterte Saxophonquartett Quadrosax konzertierte in lockerer Atmosphäre im Altendörfler Dorfgaden. Eine Fortsetzung wird in noch grösserem Rahmen folgen.
ANDREAS KNOBEL
Der Rahmen war intim und ungewöhnlich. Am Freitagabend lief das Publikum von der Eingangstüre direkt in sieben Notenständer, der etwas höher gelegene hintere Teil des Dorfgadens in Altendorf diente für einmal als Bühne, die Zuhörer platzierten sich im vorderen Teil - von der eigentlichen Bühne abgewandt. Die kleine «Selbstbedienungs-Festwirtschaft» und die Anordnung von Tischen und Stühlen deuteten auf ein ungewöhnliches Konzert hin.
Aus vier mach sieben
Bereits seit zehn Jahren hat das Saxophonquartett Quadrosax Bestand und erfreut sich grosser Beliebtheit für die Untermalung kleinerer Anlässe. Dass die professionellen Musiker nicht nur Hintergrundmusik liefern wollen, unterstreichen sie mit ihren aussergewöhnlichen Projekten.
Für zwei Konzerte schlossen sich neben den Stammmitgliedern und Saxophonisten Urs Oettli, Ueli Angstmann, Urs Schoch und Heinrich Baumgartner zusätzlich die Saxophonistin Denise Steinegger-Ineichen, der Bassist Fridolin Berger und der Schlagzeuger Martin Meyer an. Die beiden Konzerte stellten sie unter den Begriff «Sound for Seven», analog dem Werk von Boris Mersson, das im Mittelpunkt stand.
Zwiegespräche im Halbrund
Das Konzert begann mit «Getting' There» und einem «Zwiegespräch» zwischen Alt- und Tenorsax, das nur sporadisch von den anderen Teilnehmern, etwa Bass und Drums, unterbrochen wurde. Schliesslich mischten sich alle Instrumente im Halbrund in die heftige Diskussion ein, um zum Schluss doch noch zu einer Meinung zu gelangen.
Den Part des Conférenciers übernahm Bariton-Saxophonist Heiri Baumgartner, weil er «der Kleinste mit dem grössten Horn» sei. Er verstand es vorzüglich, die nicht immer leicht zu verstehende Musik in lockeren Worten zu umschreiben und avancierte zum heimlichen Star des Abends.
Für das zweite Werk wurde die einheimische Denise Steinegger-Ineichen am Tenorsax als Solistin angepriesen. Den Auftakt des Klassikers «Over the Rainbow» machte aber ein feines Solo von Ueli Angstmann, bevor er für eine längere Zeit an Denise Steinegger übergab, die denn auch mit einem Spezialapplaus bedacht wurde.
Verbindend: «Sound for Seven»
Das Herzstück des Konzertes, «Sound for Seven» des in Zürich lebenden Russen Boris Mersson, gilt als ein Verbindungsglied zwischen klassischer und jazziger Musik. Im Mittelpunkt stand der aus Lachen stammende, in Schübelbach wohnende und im Musikverein Harmonie Altendorf spielende Urs Oettli mit seinem Sopran-Sax.
Der erste Satz des ungewöhnlichen Werkes aus dem Jahre 1964, «Beat and Bop», gab sich unbeschwert, fast lustig.
Dem stand der zweite Satz «Blues impressive» langsam mit schrillen Ausbrüchen gegenüber. «Dry Dock», der dritte Satz, folgte in beschwingter Weise, irgendwie witzig oder zumindest mit einem Augenzwinkern. Den Abschluss bildete «Jive in Five», schnell, fordernd und doch mit schwierigen Einsätzen. Das Ensemble harmonierte bei diesem anspruchsvollen Stück sehr gut. Als «pièce de résistance» erwiesen sich die vielen heiklen und ungewöhnlichen Einsätze - bei sieben. Mitwirkenden ein schwieriges Unterfangen, das auch durch einen Dirigenten nur schwer zu bewerkstelligen wäre.
Den ersten Teil schloss «Bebop» ab, ein traditionelles Stück, das sich mit gewohnten abwechselnden Soli auszeichnete.
Stimmungsvoll in zweite Runde
Den zweiten Teil nach der Pause eröffnete die Saxophon-Formation mit «Tiger of San Pedro», wo Lokalmatador Urs Oettli mit dem Alt-Sax brillierte. Es folgte eine Art Medley, das auf die einzelnen Mitglieder des Ensembles zugeschnitten war. Die Ballade «For Saxes only» interpretierte Ueli Angstmann, Denise Steinegger den ruhigen «Blues Dance», Urs Schoch den Standard «Round and round again», und schliesslich gab Bariton-Saxophonist Heiri Baumgartner «Pick yourself up» zum besten.
Die letzte Nummer nannte Moderator Baumgartner eine «Rezessionsnummer». «Ulla in Afrika» erzählt die Geschichte einer Frau, die aus finanziellen Gründen ihre Weltreise nicht finanzieren konnte, und bot Baumgartner die Gelegenheit, «unmissverständlich» auf den Topf beim Eingang hinzuweisen. Auch Musiker hätten nie «Schtutz» und nähmen gerne eine Kollekte entgegen. Das fetzige Werk zum Abschluss war - wie der Titel es verriet - denn auch alles andere als langsam oder gar lahm.
Als Zugabe verwöhnte «Sound for Seven» die paar Dutzend Zuhörer mit einer Art Dixieland, «Black Bottom Stomp», wo sich Urs Schoch als Waschbrettspieler bewährte. Eine weitere Zugabe habe die Ad-hoc-Formation nicht, liess Baumgartner verlauten und entliess nach gemütlichem Zusammensitzen die familiäre Gesellschaft entspannt in den Abend.
Freitag, 10. Oktober 1997 – Dorfgaden Altendorf