Im museumbickel wurden Bilder und Gedanken in Musik vereint
Im Rahmen der Veranstaltungen des Kulturkreises Walenstadt hat das Saxophonquartett Quadrosax am Samstagabend im museumbickel Bilder und Gedanken der Expressionisten Paul Klee und Wassily Kandinsky musikalisch aufbereitet.
VON HANS HIDBER

Walenstadt. - Vor gut 130 Jahren schrieb der russische Komponist Modest Mussorgski seine berühmte Klaviersuite «Bilder einer Ausstellung.» Der grosse Nonkonformist des 19. Jahrhunderts verlieh damit den in einer Ausstellung präsentierten Werken aus dem Nachlass seines Freundes Viktor Hartmann eine musikalische Dimension. Eine ähnliche Aufgabe hatte sich das Saxofonquartett Quadrosax mit der Interpretation zeitgenössischer Kompositionen zu Bildern und Gedanken von Paul Klee (1879 - 1940) und Wassily Kandinsky (1864 - 1944) gestellt.
Dass Klee und Kandinsky im gleichen Atemzug genannt werden, hat seinen guten Grund: Die beiden waren eng miteinander befreundet und pflegten in ihren Bildern den Expressionismus in einer Zeit, als die Malerei ungegenständlich wurde. Beiden ist auch gemeinsam, dass ihre Werke in Deutschland von den Nazis in den Dreissigerjahren als «entartete Kunst» beschlagnahmt und verboten wurden.
Maler und Philosophen
Gedanken von Paul Klee und Wassily Kandinsky, die abwechselnd zu den Bildern an die Wand projiziert wurden, zeugen vom philosophischen Tiefgang der beiden Künstler. «Kunst gibt nicht das Sichtbare wieder, sondern macht sichtbar» sagt Klee jenen, die nur auf naturalistische Darstellungen setzen. Kandinsky seinerseits hat sich in seiner Schrift «Über das Geistige in der Kunst» mit der Wirkung der Farbe auf Physis und Psyche befasst und stellt eine direkte Einwirkung der Farbe auf die Seele fest. Für beide Künstler bilden die Farbharmonien in ihren Werken eine entscheidende Rolle.
Paul Klee, der sich in frühen Jahren beinahe der Musik statt der Malerei verschrieben hätte, verglich das Malen mit Komponieren im freien Spiel der Linien, das ihren Höhepunkt in «mehrstimmigen, polyfonen» Bildgefügen finde. Und Kandinsky empfand die Berührung der Spitze eines Dreiecks mit einem Kreis «von nicht geringerer Bedeutung als die Berührung des Finger Gottes und Adams bei Michelangelo.»
Quartett der Spitzenklasse
Quadrosax existiert seit 20 Jahren und setzt sich aus vier hochkarätigen Berufsmusikern zusammen. Urs Oettli (Sopran- und Altsaxofon), Ueli Angstmann (Altsaxofon), Urs Schach (Tenorsaxofon) und Heini Baumgartner (Baritonsaxofon) verfügen alle über Diplome von Musikhochschulen, sind gefragte Solisten bei renommierten Jazzformationen und betätigen sich im Lehramt. Sie sind in der Klassik ebenso zu Hause wie im Jazz verschiedenster Stilrichtungen oder in avantgardistischer Musik zeitgenössischer Komponisten. Für die Umwandlung der Bilder von Klee und Kandinsky interpretierten sie in höchster Meisterschaft Kompositionen von Graham Collier, Michael Denhoff, Ida Gotkovsky und anderen.
Nach dem begeisterten Schlussapplaus spielte das Quartett als Zugabe ein festlich-fetziges Stück klassischer Prägung, für welches man sich als «Vorlage» nicht ein Bild mit geometrisch-abstrakten Strukturen, sondern ein sinnenfrohes barockes Gemälde von Rembrandt vorstellen konnte. Da wurde ein Zitat von Paul Klee auf schönste Weise hörfällig: «Das Malen ist ein donnernder Zusammenprall verschiedener Werke.»
Sarganserländer, Mittwoch 13. September 2006