Griechischer Tango in New York

Tagblatt Online, 02. März 2011

Ensemble par excellence

Quadrosax-Urnaesch

Quadrosax: Spielfreude, Souveränität, rhythmische Präzision und Sicherheit. (Bild: Bild: fo)

Das «Quadrosax»-Bläserquartett beeindruckte in Urnäsch mit faszinierendem Sound und zündenden Rhythmen.
Die Musiker spannten den Bogen vom 19. Jahrhundert zu heute.

Ferdinand Ortner

Der vorletzte Event der Konzertsaison 2010/2011 der traditionsreichen «Urnäscher Kirchenkonzerte» stand am Sonntagabend in der evangelisch reformierten Kirche im Zeichen exquisiter Kompositionen und spezieller Arrangements internationaler vorwiegend spanischer und lateinamerikanischer Musik.

Das eigenwillige Programm spannte unter dem Titel «Griechischer Tango in New York» einen grossen Bogen vom Ende des 19. Jahrhunderts bis in die heutige Zeit. Diese aufregende Musik «ging in die Welt» – wie Heinrich Baumgartner, einer der Interpreten, bei seinen Programm-Erläuterungen anmerkte.

Die Vortragsstücke stammten vom Argentinier Astor Piazolla, den Kubanern Ignacio Cervantes und Paquito D'Rivera, dem Ungar Ferenc Farkas und dem Spanier Pedro Iturralde.

Exzellentes Ensemble

Es war tief beeindruckend, ja begeisternd, was die profilierten Vollblutmusiker des «Quadrosax»-Quartetts – Urs Oettli (Sopran- und Altsaxophon), Ueli Angstmann (Altsaxophon), Urs Schoch (Tenorsaxophon) und Heinrich Baumgartner (Baritonsaxophon) – mit Können und Herz vortrugen.

Diese hervorragenden Instrumentalisten, die sich wiederholt auch solistisch auszeichneten, glänzten vor allem durch musikalische Kompetenz, homogenes Zusammenspiel und ausdrucksvollem eigenständigem Sound. Sie boten an diesem Abend eine lebendig-bunte Bilderfolge vorwiegend exotisch-musikalischer Gustostücke verschiedenster Stilrichtungen und auch Kompositionen, bei deren Entstehung das Saxophon eine wesentliche Rolle spielte. Es war faszinierend, die vielfältigen Ausdrucksmöglichkeiten dieses populären Instrumentes, das viele Leute nur der U-Musik zurechnen, in hoher Qualität konzertant zu erleben.

Spielfreude und Souveränität

Bemerkenswert war schon zu Beginn des Abends, mit welcher Spielfreude, Souveränität und rhythmischer Präzision und Sicherheit das Quartett die zum Grossteil anspruchsvollen Konzertstücke präsentierten.

Das vierteilige spannungsvolle Programm – aufgelockert und reizvoll kontrastiert durch gefällige, von kubanischer Volksmusik inspirierte Miniaturen – aus dem 19. Jahrhundert) von Ignacio Cervantes (1847–1905) – offerierte ein erstes Highlight mit dem Titel «Histoire du Tango» des argentinischen «Tango-Nuevo»-Komponisten Astor Piazolla (1921–1992).

Zuhörerinnen und Zuhörer genossen eine blutvolle Interpretation der drei farbigen Sätze, in denen sich im Tango-Rhythmus unerfüllte Sehnsüchte und Traurigkeit, unbändige Lebenslust und leise Fröhlichkeit spiegelten. Ein Paradebeispiel für die Entwicklung des konzertanten Tangos aus der Verbindung von Folklore mit Elementen zeitgenössisch-moderner Musik.

An traditionellen ungarischen Tänzen aus dem 16. Jahrhundert orientierte sich in nuancenreicher Tonsprache der Ungar Ferenc Farkas (1905–2000) bei seiner abwechslungsreichen Suite «Old Hungarian Dances», die das Quartett beschwingt und fein differenziert präsentierte.

Rhythmisches Feuerwerk

Bei der jazzigen «New York Suite» des kubanischen Saxophonisten Paquito d'Rivera (geb. 1948 in Havana) zündete das voll geforderte Quartett ein rhythmisch-brillantes musikalisches Feuerwerk. Die fesselnde Aufführung löste Sonderapplaus aus. In diesem Werk wurde tatsächlich jenseits jeder stilistischen Kategorie die ganze Musikwelt zusammengefasst.

Mit respektablen solistischen Fähigkeiten, Virtuosität und Improvisationskunst brillierten die vier Saxophonisten besonders bei der effektvollen «Suite Hellénique» von Pedro Iturralde (geb. 1929 in Spanien), der vor allem griechische Themen in verschiedenen Stilvariationen vom Tango bis zum Jazz in den vier Sätzen einfallsreich verarbeitet. Wunderschöne Dialoge und lyrische Impressionen wechselten mit ekstatischen Ausbrüchen und rasenden Läufen, die spieltechnische Perfektion verlangten. Mit dem klangschönen, optimistisch stimmenden Gustostück «Siempre Si» von Ignacio Cervantes und der Zugabe einer Komposition von Paquito D'Rivera schloss das Konzert unter begeistertem Beifall.