Als DJ Bobo mit J. S. Bach improvisierte
Der Abendmusikzyklus Flawil-Gossau hatte vergangen Sonntagabend nicht in die Kirche Oberglatt, sondern nach Magdenau eingeladen. Im «Rössli»-Saal trat das Ensemble «Quadrosax» auf
CAROLA NADLER
Ob Flawil nach seinem Jubiläums-Wochenende vorläufig genug von kulturellen Anlässen hatte? Jedenfalls platzte der «Rössli»-Saal, im Vergleich zu früheren Zyklus-Veranstaltungen dort, diesmal nicht aus allen Nähten. Vielleicht erschien das Programm auch ein wenig zu diffus, um sich darunter etwas «Anmächeliges» vorzustellen: «Rundgang durch die City of Music» mit den vier Teilen «Five Faces in Jazz», «Ethno-Jungle», «Classic Feature» und «Rockin' Saxes». Definitiv ein Programm für aufgeschlossene Neugierige, die dann aber auch vollauf belohnt wurden: grossartigen Arrangements verschiedenster Stücke und Stilrichtungen, geschrieben für vier Saxophonisten.
«Gruusiges» Stück
Was es mit dem Programm auf sich hatte, erläuterte Baritonsaxophonist Heinrich Baumgartner: Nicht die .Vier Jahreszeiten» stünden auf den Programm - weil zu oft aufgeführt und bekanntlich nicht für Saxophon geschrieben sondern das Publikum sei eingeladen zu einem Rundgang durch eine Stadt, deren verschiedene Quartiere durch die vier Teile des Konzertes dargestellt werden sollten. Zusammen mit Urs Oettli, Ueli Angstmann und Urs Schach führte er daraufhin mitten in das Strassengeschehen des Jazz, angefangen bei einem chinesischen Ragtime über einen Dixi bis hin zu einem «grausigen» Stück, so Baumgartner selbst in seiner Einführung: wirklich grausig kakophon schilderte «EI Quahira», ein Stück, welches in der Jazz-Szene sicher grosse Beachtung findet, das Strassenchaos einer Grossstadt, schrill, chaotisch und ein bisschen zum Weglaufen.
Der zweite Teil «Ethno-Jungle» beschrieb ein multikulturelles Viertel, in welchem Nationen verschiedenster Couleur vertreten sind, musikalisch durch tunesische und japanische Stücke ausgedrückt, darunter auch eine faszinierende orientalische Hochzeitsmusik aus Tunesien. DJ Bobo als Vertreter der weissen Musikkultur war ebenso vertreten wie ein lüpfiger Gruss vom Pilatus. Herrlich einfallsreich im Arrangement das Penetrante des Hiphop-Beats imitierend, überraschte dagegen der erfrischende Gute-Laune-Charakter des Ländlers. Das klassische Quartier, die Sparte der E-Musik, reichte von mittelalterlicher Musik über Bach bis zu einem zeitgenössischen Saxophonquartett, ganz kammermusikalisch introvertiert spiegelte sich darin ein sehr gepflegtes, intellektuelles Quartier wider.
Besichtigungstour
Als letzten Block besuchte man das Rock-Quartier, wo Bill Haley und John Lennon zu Hause sind: von Lady Madonna über eine Funknummer bis zu einem klassischen Rock 'n' Roll wurde praktisch eine Kulturgeschichte des Rock geboten. Zwischen den einzelnen Blöcken, quasi als Pause vom Stadtrundgang im gemütlichen Hotel, spielte das Ensemble einen Slow Tango eines kubanischen Komponisten, welcher alleine schon durch den Wiedererkennungseffekt zum entspannten Zurücklehnen und Erholen, von der anstrengenden Besichtigungstour einlud.
Wiler Zeitung, 9.9.2008